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Mit dem Berliner "Mauerfall" bzw. der Grenzöffnung zwischen der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und der Bundesrepublik Deutschland verlor die von der DDR über Jahrzehnte hinweg zu einer nahezu unüberwindlichen Trennlinie ausgebaute Grenze am 9.11.1989 ihr hässliches Gesicht. Großes Leid hatte sie seit ihrer Entstehung über uns Deutsche gebracht. Was sich in den Freudentränen jener Menschen am Tag der Grenzöffnung an Emotionen widerspiegelte, können in vollem Umfang vielleicht nur Jene von uns erahnen, für die der Begriff "Freiheit" nicht Alltägliches und Selbstverständliches darstellt(e).   

Die dramatischen Ereignisse jener Tage und die historischen Zusammenhänge dürfen nie vergessen werden. Die Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerungen an diese Begebenheit zu bewahren und das geschichtliche Bewusstsein, besonders der jungen Generation, zu fördern. Umfangreiche Sammlungen und Dokumentationen zeigen die menschenverachtende Grenzsituation in Lübeck von der Entstehung bis zur Öffnung 1989.


Grenzschilder

Mitten durch Deutschland, von der Ostseeküste bei Lübeck bis in den Raum Hof in Bayern, zog sich eine rund 1393 Kilometer lange Grenze. Sie durchschnitt Ortschaften, trennte Familien, unterbrach Verkehrswege und zerstörte einheitliche Wirtschaftsräume ebenso wie historisch gewachsene regionale und politische Einheiten.

Der Grenzbereich zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg erstreckte sich auf eine Länge von ca. 136 Kilometern. Lübeck lag als einzige deutsche Großstadt direkt an der Trennlinie zwischen West und Ost bzw. den Machtblöcken NATO und Warschauer Pakt. Durch die Teilung Deutschlands in Besatzungszonen verlor die Hansestadt Lübeck nach Ende des Zweiten Weltkriegs einen großen Teil ihres "Hinterlandes".    

Das nachfolgend Gezeigte (Verwendung von Bild- und Kartenmaterialien nur für den privaten Gebrauch, Weiterverarbeitung/Wiedergabe in öffentlichen Medien nicht zulässig) möchte Ihnen einige informative Einblicke in den ehemaligen Grenzraum Lübeck geben. 

Herzlichen Dank dem Zoll und der Bundespolizei (ehemals Bundesgrenzschutz) für die Zurverfügungstellung von Fotos/Dokumenten.

Schild AUCH DRÜBEN IST DEUTSCHLAND

Das im obigen Foto gezeigte Schild AUCH DRÜBEN IST DEUTSCHLAND (vom "Kuratorium Unteilbares Deutschland" gestiftet) stand bis zum 14.12.1989 bei der Abschrankung Lübeck-Eichholz. Es erinnerte daran, dass das deutsche Vaterland an dieser Trennlinie zwischen Ost und West nicht zu Ende war, sondern dass man sich mitten in ihm befand.


Angehörige der DDR-Grenztruppen, Grenzaufklärer, an der DDR-Grenzsäule Nr. 82 (diese befand sich bei der Abschrankung Lübeck-Eichholz). Im Gegensatz zu den Grenzsteinen markierten die DDR-Grenzsäulen nicht den Verlauf der Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik. Die schwarz/rot/goldenen Säulen aus Beton standen mehrere Meter jenseits der Grenzlinie auf dem Gebiet der DDR.

Grenzstein

Ausschnitt Grenzkarte

Ausschnitt aus einer Grenzkarte des Grenzabschnitts "2", Grenzzug "d" (hier der Bereich an der Abschrankung Lübeck-Eichholz). Wie die Karte verdeutlicht, gab es hier die Grenzpunkte 19,20,21 und 22. "Grenzpunkte" waren u.a. Grenzsteine.

DDR-Grenzaufklärer

Ein DDR-Grenzaufklärer (Gesicht aus Datenschutzgründen unscharf maskiert) an der Grenze bei der Abschrankung Lübeck-Eichholz. Gemäß dem Schild "Halt! Hier Grenze" (vom Bundesgrenzschutz aufgestellt) ist zu erkennen, dass der Soldat sich in unmittelbarer Nähe der Grenzlinie befindet. Auf dem Kunststoffpfahl steht "2 d 20". Das bedeutet, dass sich genau hier der Grenzpunkt "20" im Grenzzug "d" des Grenzabschnitts "2" befindet (siehe auch die Grenzkarte oberhalb dieses Fotos).

Schutzstreifen

oben: Schild "Schutzstreifen", aufgenommen in Herrnburg.

Viele Fluchtversuche aus der DDR scheiterten bereits im Hinterland. Ob von Kräften der Transportpolizei aus Zügen geholt, die sich noch weit entfernt von der innerdeutschen Grenze befanden,  oder von Volkspolizei bzw. Grenztruppen der DDR und ihren „freiwilligen Helfern" in der 5-Kilometer Sperrzone gestellt – für nicht wenige Menschen war der Traum vom "goldenen Westen" bereits zu Ende, bevor sie die Grenzzäune der DDR sehen konnten. Es brauchte schon sehr viel Glück und Vorbereitung, um zum Schutzstreifen, der eine Tiefe von bis zu 500 Metern hatte, "vorzudringen". Nur ein kleiner Prozentanteil der Fluchtwilligen schaffte es bis dorthin.

Und die Chance, die Grenzsperr- und Sicherungsanlagen zu überwinden und die letzten Meter bis zur eigentlichen Grenzlinie unverletzt  und erfolgreich zurückzulegen, war  gering. Der Versuch der „Republikflucht" kostete vielen Menschen die Freiheit, mehreren Hundert sogar das Leben.

Nicht jeder Grenztote war ein Mensch, welcher aus der DDR fliehen wollte; manches spätere Opfer wollte in den "Osten". Zu den Todesopfern, die es an der innerdeutschen Grenze im Raum Lübeck gab, zählt Herr Piorek. Er überquerte von Lübeck aus die Grenzlinie, um nach "drüben" zu gelangen. Über das, was sich am 6.12.1963 im Grenzraum Lübeck-Eichholz/Herrnburg ereignete, berichtete die Tageszeitung LÜBECKER MORGEN wie folgt:

Hans Werner Piorek

Die Freie Universität Berlin hat bezüglich des Todes von Hans-Werner Piorek Folgendes veröffentlicht (den Link anklicken): http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Biografien-von-Todesopfern/Piorek_Hans-Werner/index.html

Am 03.10.1969 passierte der Bundesbürger Wilhelm Droeger die Grenzlinie nördlich der gesperrten Straße Lübeck-Eichholz/Herrnburg und trat nach Überklettern des ersten Metallgitterzauns auf eine Mine. Erst nach längerer Zeit wurde er von Kräften der DDR-Grenztruppen geborgen. Er verstarb an den Folgen seiner erlittenen Verletzungen.

Bis 1984 (und darüber hinaus, siehe weiter unten) gab es im Raum gegenüber Lübeck erdverlegte Minen. Bis dahin kamen in diesem Grenzraum noch Menschen durch sie zu Schaden und wurden schwer verletzt. Die vielen Tiere, die durch Minen starben, dürfen ebenfalls nicht vergessen werden.

Auch an Siegfried Apportin möchten wir erinnern. Er diente damals bei der Grenzpolizei /Volkspolizei (der DDR) und wurde am 02.07.1950 von einem anderen Angehörigen der "VP", der "Fahnenflucht" beging, im Grenzbereich bei Palingen erschossen. Siehe hierzu das von der Freien Universität Berlin Veröffentlichte unter http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Todesfaelle-im-Grenzdien/Apportin_Siegfried/index.html

Gedenkstein für Siegfried Apportin, Aufnahme vom 25.09.2016

In der Palinger Heide, beim "Kolonnenweg", befindet sich ein Denkmal für den getöteten Grenzpolizisten Siegfried Apportin. Aufnahme vom 25.09.2016. 

Minensprengung bei Herrnburg. Minenräumpanzer im Minenfeld1984

Führungsstelle der DDR-Grenztruppen bei Herrnburg1987

Grenzraum bei Herrnburg. Dieses Foto wurde von derselben Stelle aus aufgenommen wie das über diesem Bild zu sehende (vom Hochstand des bundesdeutschen Grenzzolldienstes an der Bahnlinie Lübeck-Herrnburg). Allerdings n a c h  Sprengung der Minen. Statt des doppelreihigen Metallgitterzauns (MGZ) steht hier nun ein einreihiger MGZ, der höher ist (ca. 3,20 Meter statt ca. 2,40 Meter). Links im Bild die Herrnburger DDR-Grenztruppen-Führungsstelle, von der aus der jeweilige "Kommandeur Grenzsicherung" agierte. Führungsstellen ("FÜSt", bei den westdeutschen Grenzüberwachungsorganen als "Führungspunkt" (FP) bezeichnet), wurden zur Koordination und Führung des jeweiligen Grenzabschnitts als Teil der Grenzsperranlagen entlang der innerdeutschen Grenze errichtet. Der Turm einer Führungsstelle wurde aus quadratischen Betonfertigteilen (4 x 4 m Grundriss) gefertigt. Hier liefen die Alarme aus den Grenzabschnitten auf und von hier aus wurde die "Alarmgruppe" zur weiteren Unterstützung der Grenzposten vor Ort in Bewegung gesetzt. Durch den zuständigen  Kommandeur der Grenzsicherung (KGSi) wurden Maßnahmen eingeleitet und koordiniert.

Grenze zwischen Lübeck und Herrnburg1985

Foto oben: das 1985 aufgenommene Luftbild zeigt einen Teil des Grenzraums zwischen Lübeck-Eichholz und Herrnburg. Die freie Fläche im Bereich der beiden zu erkennenden DDR-Grenztürme (rechts ein BT 11, links die Führungsstelle) gibt es heute nicht mehr; hier stehen nun die Häuser des Neubaugebiets "Krüzkamp" 

An der Grenze bei Herrnburg1985

Grenzraum Lübeck-Eichholz / Herrnburg im Jahr 1985. Auch südlich des im Januar 1990 umgerissenen Beobachtungsturms begann später eine rege Bautätigkeit. Zunächst noch als Flohmarkt-Gelände genutzt, entstanden hier Neubauten. Das nachfolgende Foto, von Karsten Eckermann im Jahr 2014 aufgenommen, zeigt die Veränderungen.

Neubaugebiet Herrnburg2014

Feuerspucker an der Abschrankung Lübeck-Eichholz

An der Abschrankung bei Lübeck-Eichholz / Herrnburg war besonders in den Sommermonaten recht viel "los" - Auch ein "Feuerspucker" kam mal vorbei, um hier an der Grenze für etwas "Abwechslung" zu sorgen.

Lübeck- Eichholz HerrnburgDAMALS und HEUTE

GSSZ Grensperr-und Signalzaun

Der Grenzsperr- und Signalzaun (GSSZ) der DDR war im Raum zwischen der Ostseeküste bei Pötenitz und der Nordspitze des Ratzeburger Sees insgesamt 37,7 Kilometer lang (Stand: November 1989) 

Metallgitterzaun

Der Metallgitterzaun (MGZ) - Bestandteil der DDR-Grenzsicherungs- und Sperranlagen - war im Bereich zwischen der Ostseeküste bei Pötenitz und der Nordspitze des Ratzeburger Sees 39,9 Kilometer lang (Stand: November 1989). Wie im Foto links unten erkennbar ist, befanden sich im MGZ bzw. im "Grenzzaun I" (Bezeichnung DDR-Grenztruppen) in unregelmäßigen Abständen Durchlässe im Zaun. Durch diese kleinen Tore gelangten die DDR-Grenzaufklärer auf das "vorgelagerte Hoheitsgebiet".

Achtung Minen - Lebensgefahr

Über 1.322.700 Stück Erd- und Bodenminen hatte die DDR seit 1961 an bestimmten Bereichen der ca. 1378 Kilometer langen Landgrenze verlegt. Im Raum gegenüber von Lübeck geschah das erstmals im August 1962. Zu den Minenopfern, die schließlich zu beklagen waren, gehörte sogar ein Elch (im Herbst 1970).
Die 1962 verlegten Holzkastenminen verrotteten jedoch relativ schnell und wurden - soweit noch vorhanden (nicht wenige waren zuvor durch Schneelast oder Tiere bereits explodiert) - schließlich
gesprengt, um Platz zu schaffen für jene Sprengstoffträger, die aufgrund ihres Materials (Plastik bzw. Duroplastik oder Polyäthylen) eine längere Lebensdauer garantierten. Zwischen 1968 und 1979 verlegten speziell ausgebildete Angehörige der DDR-Grenztruppen Minen der Typen PMN, PMP-71 und PPM-2 im Grenzraum Herrnburg. Fast alle der noch vorhandenen Minen wurden 1984 gesprengt (im Raum gegenüber Lübeck ca. 40000 Stück). Bei einer nach der „Wiedervereinigung" durchgeführten Nachsuche fand man im Raum zwischen Lübeck und der Elbe noch 111 Minen. Zu ihnen gehörte jene,  die nur wenige Meter neben der Straße lag, welche Lübeck-Eichholz und Herrnburg verbindet.  Was für ein großes Glück, dass hier nichts passierte!

Grenze zur DDR im Raum Lübeck

oben: die alte Karte zeigt den Grenzverlauf im Raum Lübeck-Schlutup bis südlich der Bahnline Lübeck-Bad Kleinen bei Herrnburg. Von Hand wurde zudem kenntlich gemacht, wo der doppelreihige Metallgitterzaun verlief (Zwischenraum vermint). In Verbindung mit dem im Anschluss publizierten Bild ist u.a. zu erkennen, dass das Minenfeld gegenüber Lübeck-Schlutup unweit des Schwarzmühlenteiches bzw. in Nähe der Wasserwerk-Ruine begann.

Beginn doppelter MGZ bzw. Minenfeld gegenüber Lübeck-Schlutup

Grenzverlauf bei der Schlutuper Wiek

Ausschnitt aus einer alten Karte. Rot markiert ist der Verlauf der Grenze zur DDR im Raum Lübeck-Schlutup bzw. der Schlutuper Wiek. Siehe hierzu auch die folgenden Fotos aus diesem Grenzbereich.

Grenzbereich an der Schlutuper Wiek

Grenzbereich bei der GÜSt Selmsdorf

Anfang der 1970er-Jahre herrschte im Bereich der Grenzübergangsstelle (GÜSt) Selmsdorf rege Bautätigkeit (siehe Foto oben).

Grenzbereich Selmsdorf / Lübeck-Schlutup

Als das oben gezeigte Foto Anfang der 1970er-Jahre entstand, mussten sich die westdeutschen Grenzbeamten, welche die Grenzabfertigung/Grenzkontrolle am Grenzübergang Lübeck-Schlutup vornahmen, noch mit einer behelfsmäßigen Unterkunft begnügen (siehe den markierten Bereich im Bild). Später wurde eine neue Grenzkontrollstelle errichtet - dort, wo sie entstand (einige Meter weiter in Richtung des Ortskerns von Schlutup), befindet sich heute die Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup. 

Grenzkontrollstelle Lübeck-Schlutup

Grenzkontrollstelle (GKSt) Lübeck-Schlutup. Als dieses Gebäude fertiggestellt und am 30.11.1979 eingeweiht wurde, waren die neuen Abfertigungsanlagen der GÜSt Selmsdorf bereits 7 Jahre in Betrieb (seit August 1972). Und als Manfred Krellenberg diese Aufnahme im Jahr 1983 fertigte, hätte er es für unmöglich gehalten, dass hier ein paar Jahre später ein "Grenzmuseum" sein würde!


grafische Darstellung: M.Krellenberg (mkrelle@t-online.de)

Alarmauslösung am Grenzsignalzaun - eine rote Rundumleuchte und ein Signalhorn sind in Betrieb gegangen. Scheinwerfer leuchten den Schutzstreifen ab und tauchen ihn in gespenstisches Licht. Wer oder was hat den Alarm ausgelöst? Ein Mensch oder vielleicht nur ein Tier?  In Kürze wird eine Alarmgruppe der DDR-Grenztruppen erscheinen, um die vor Ort befindlichen Grenzposten zu unterstützen - .... ja, so war es einmal, als die innerdeutsche Grenze noch existierte und es den "stillen Alarm" noch nicht gab. Die Alarmauslösung mittels Rundumleuchten und dem Ertönen von Signalhörnern hatte den Nachteil, dass nun auch der "Republik-Flüchtige" gewarnt war und sicherlich versuchte, schnellstmöglich von hier wegzukommen. Auch die bundesdeutschen Grenzüberwachungsorgane wie Grenzzolldienst und Bundesgrenzschutz konnten - sofern in der Nähe - jetzt ein besonderes Augenmerk auf diesen Grenzabschnitt legen und Zeuge dessen werden, was sich an der Grenze ereignete.


Foto oben: Grenzbereich an der Bahnlinie Lübeck/Herrnburg

Wer sich für den Grenzabschnitt Lübeck-Eichholz/Herrnburg interessiert, dem sei das von unserem Vereinsmitglied Manfred Krellenberg verfasste Buch "An der innerdeutschen Grenze zwischen Lübeck und Herrnburg", welches mehr als 300 Seiten umfasst und viele Fotos beinhaltet, empfohlen. Siehe hierzu: http://www.manfred-krellenberg.de/171961.html

Grenzraum an der Bahnlinie Lübeck / Herrnburg

Blick vom Hochstand des bundesdeutschen Grenzzolldienstes auf den Grenzbereich an der Bahnlinie Lübeck-Bad Kleinen. Im Hintergrund ist der Bahnhof Herrnburg und links davor ein Beobachtungsturm der DDR-Grenztruppen erkennbar. Im Vordergrund ist ein vom Bundesgrenzschutz aufgestelltes Grenzhinweisschild zu sehen, ein paar Meter dahinter - bereits auf DDR-Gebiet - zwei DDR-Grenzsäulen.

DDR-Grenzsoldaten an der Grenze beim Bahndamm

Eine Aufnahme aus dem Winter 1983/1984. Es zeigt Soldaten der DDR-Grenztruppen unweit des Grenzverlaufs an der Bahnlinie bei Herrnburg. Zu dieser Zeit gab es noch die Minenfelder. Hinten links ist der doppelreihige Metallgitterzaun zu erkennen.

An der Grenze damals und heuteDAMALS und HEUTE

Grenzbereich beim Bahnhof Herrnburg

Blick vom Bahnhof Herrnburg in Richtung Lübeck. Erst wenn die DDR-Grenzorgane ihre Kontrollen bei den in Richtung Bundesrepublik Deutschland fahrenden Zügen beendet hatten, wurde eine Ausfahrt gen "Westen" ermöglicht.     

Fütterung der Grenzhunde

Zahlreiche Hunde mussten im Schutzstreifen ihren Dienst für die DDR-Grenztruppen verrichten – unter ausgesprochen widrigen Umständen.  Wer mehr über das (traurige) Leben dieser Tiere erfahren möchte, dem ist das Buch "Die Hundegrenze" (Autorin: Marie-Luise Scherer) zu empfehlen.

Im Grenzbereich gegenüber Lübeck gab es Ende 1987 drei Hundelaufanlagen und 103 Hunde / 103 Hütten. Das obige Foto, 1983 aufgenommen, zeigt Grenzsoldaten (mit LKW IFA W 50 unterwegs) bei der Fütterung der Leinenhunde im Grenzabschnitt bei Herrnburg.  

Ein BT 11 bei Herrnburg

Im Grenzbereich gegenüber Lübeck gab es Ende Dezember 1987 insgesamt 26 Beobachtungstürme aus Beton.  Im Hintergrund des Bildes ist die Herrnburger Führungsstelle der DDR-Grenztruppen zu sehen. Im Vordergrund steht ein sogenannter "BT 11". Diese runden Türme hatten schlechte Eigenschaften bei stürmischen Winden und durften ab einer gewissen Stärke nicht mehr besetzt werden. Die DDR ersetzte viele dieser BT 11 durch viereckige Beobachtungstürme (Grundfläche 2 x 2 Meter), siehe auch nachfolgendes Bild. 

DDR-Beobachtungsturm beim Bahnhof Herrnburg

Ein Beobachtungsturm der DDR-Grenztruppen neuerer Bauart. Dieser BTv (Beobachtungsturm viereckig) stand beim Bahnhof Herrnburg und wurde 1988 fotografisch abgelichtet. Der Fotograf befand sich im D-Zug, welcher gerade aus dem Bahnhof in Richtung Grenze bzw. Lübeck fuhr. Er ging dabei ein "Risiko" ein, denn das Fotografieren von Bahnhofs- und Grenzanlagen war laut den DDR-Gesetzen streng verboten. Was wäre passiert, wenn das Ausfahrtsignal plötzlich auf "Halt" gestellt würde und der Zug noch vor Erreichen der Grenzlinie stoppen müsste? Aber es ging letztlich alles gut... 

... und so kann auch das nachfolgend gezeigte Bild vom Bahnübergang Herrnburg hier veröffentlicht werden. Vor der Schranke steht ein Mann in der Uniform der DDR-Grenztruppen, wahrscheinlich zu den PKE (Passkontrolleinheiten) gehörend. Bei dem LKW handelt es sich um einen IFA W 50 der DDR-Grenztruppen.

Am Bahnübergang Herrnburg, 1988

Blick aus DDR-Wachturm in Richtung Lübeck

Blick aus der Kanzel eines Beobachtungsturms der DDR-Grenztruppen (Foto: Grenztruppen der DDR) in Richtung Lübeck-Eichholz. Der doppelreihige Metallgitterzaun ist gut zu erkennen. Zwischen den Zäunen lagen Minen (bis 1984). In diesem Grenzbereich bzw. ein paar Meter weiter nördlich kam es zu Minenexplosionen, nachdem Bundesbürger die Grenze in Richtung DDR überschritten hatten und durch Überklettern des ersten Zaunes in das Minenfeld geraten waren (1969, 1981). Eine männliche Person erlag den Verletzungen.

DDR-Grenzsperranlagen

Oben: Schematische Darstellung der DDR-Grenzsperranlagen aus der Zeit um 1980. Zwischen 1983 und 1985 gab es einige Veränderungen. So wurden z.B. die Erdminen gesprengt, die "Selbstschussanlagen" abgebaut, Zäune erneuert / modifiziert, akustische und optische Signalanlagen (Rundumleuchten/Signalhörner) demontiert und der "stille Alarm" eingeführt

Die Grenzsperr- und Sicherungsanlagen gegenüber dem Grenzabschnitt der Grenzschutzabteilung Küste 1 bzw. dem Zollkommissariat Lübeck-Süd (Raum Priwall/Ostsee bis Nordspitze Ratzeburger See) mit Stand vom 23.12.1987:

Beobachtungstürme aus Beton               Anzahl: 26

Erdbunker aus Betonfertigteilen             Anzahl: 6

Betonbrüstungen                                     Anzahl: 8

Sonstige Objekte                                     Anzahl: 10

Schutzstreifenzaun                                  Länge: 37,7 Kilometer

Betonmauer                                             Länge  : 2,2 Kilometer
 
Lichtsperren                                             Länge: 9,6 Kilometer      Anzahl: 6

Hundelaufanlagen                                    Länge: 9,9 Kilometer       Anzahl: 3

Metallgitterzaun                                       Länge: 39,9 Kilometer

   - davon einfach                                      Länge: 35,5 Kilometer

                 doppelt                                                   4,4 Kilometer

Kolonnenweg                                            Länge: 40,2 Kilometer

Kfz-Sperrgraben                                       Länge: 22,4 Kilometer

Durchlässe und Übergänge                      Anzahl: 22


Der Grenzbereich "An der Landesgrenze" / "Stumpfer Weg" bei Lübeck-Schlutup. Auf diesem Bild ist sehr gut zu erkennen, wie sehr man auf Seiten der DDR darauf bedacht war, freies Sicht- und Schussfeld zu haben. Ein Beobachtungsturm der DDR-Grenztruppen, ein "BTv", stand an günstiger Stelle, um den Grenzbereich gut einsehen zu können.



Grenzöffnung November 1989

Video: Karsten Eckermann

Video: Manfred Krellenberg

Video: Manfred Krellenberg

Video: Manfred Krellenberg

Video: hier klicken: https://www.youtube.com/watch?v=-veMU98a6ls


Der damals von der Grenzschutzabteilung Küste 1 und des Zollkommissariats Lübeck-Süd zu überwachende Grenzabschnitt erstreckte sich von der Ostseeküste beim Priwall bis zur Nordspitze des Ratzeburger Sees bei Rothenhusen. Das 1985 aufgenommene Bild zeigt einen Teil des Grenzbereichs auf dem Priwall (eine etwa drei Kilometer lange Halbinsel an der Mündung des Flusses Trave. Er gehört seit 1226 zum Ortsteil Travemünde der Hansestadt Lübeck).


Das im Jahr 1985 aufgenommene Farbfoto zeigt die Einfahrt von der Pötenitzer Wiek in den Dassower See. Mancher "Republikflüchtige" schaffte es, in diesem Raum bzw. der näheren Umgebung die Grenzsperranlagen der DDR zu überwinden und in den Dassower See - den "Westen" - zu gelangen. Fischerboote  oder Kräfte des Zolls/BGS nahmen diese Leute dann auf und brachten sie in Sicherheit.

Grenzöffnung Pötenitz / Priwall am 03.02.19903.2.1990

Grenzöffung Pötenitz/Priwall am 3.2.1990 (Fotos: Manfred Krellenberg)

Grenzöffnung Pötenitz / Priwall am 03.02.19903.2.1990

Grenzöffnung Pötenitz / Priwall am 03.02.19903.2.1990

Grenzöffnung Pötenitz / Priwall am 03.02.19903.2.1990

Grenzöffnung Pötenitz / Priwall am 03.02.19903.2.1990

Grenzöffnung Pötenitz / Priwall am 03.02.19903.2.1990

Grenzöffnung Pötenitz / Priwall am 3.2.19903.2.1990

Brücke über Stepenitz

Die Mauer bei DassowDassow

Wer glaubt, dass es eine "Mauer" nur in Berlin gab, irrt - es existierten auch entlang der innerdeutschen Grenze Abschnitte, wo eine Mauer stand (vielfach aus Sichtschutzgründen), so auch bei Dassow (siehe das obige Bild).  Die Bewohner dieser Ortschaft mussten viele Jahre lang mit "ihr" und den anderen Grenzsperranlagen leben.

Grenzverlauf zur DDR im Bereich südlich von Lübeck

Eine alte Karte mit eingezeichnetem Verlauf der Grenze zur DDR im Raum südlich Lübeck bis Höhe Rothenhusen. Die nachfolgend gezeigten Luftbilder sind in diesem Grenzabschnitt gefertigt worden.

Absalonshorst

Absalonshorst, an der Wakenitz bei Lübeck gelegen, war schon damals ein beliebtes Ziel für Ausflügler aus Nah und Fern. Nähere Infos u.a. hier: http://wiki-de.genealogy.net/Absalonshorst

Lenschow und NädlershorstLenschow

Zur Erinnerung an Nädlershorst und Lenschow (S/W-Foto aus dem Jahr 1970, Farbfoto aus dem Jahr 1985). Das zu Mecklenburg/DDR gehörende Dorf Lenschow fiel im Jahr 1975 den Grenzsicherungsmaßnahmen der DDR zum Opfer; es wurde geschleift. Nähere Informationen siehe hier: http://www.lenschow-in-memoriam.de/aktuell.html    Auch die bei Nädlershorst befindliche Wochenendsiedlung und das beliebte Fährhaus, eine  Gaststätte, existieren zwischenzeitlich nicht mehr; sie wurden im Zuge der Schaffung von Naturausgleichsflächen für die Autobahn A 20 abgerissen.  Vor Ort entstand im Jahr 2008 eine neue Brücke über die Wakenitz.

Ziegelhorst

Südlich von Nädlershorst, in Richtung Rothenhusen, befindet sich Ziegelhorst. Auf dem Foto, das um 1970 aufgenommen wurde, sind u.a. ein Beobachtungsturm der DDR-Grenztruppen (ein BT 11) und der doppelreihige Metallgitterzaun (MGZ) zu erkennen.

Rothenhusen

Bei Rothenhusen, an der Nordspitze des Ratzeburger Sees, endete der Bezirk der Grenzschutzabteilung Küste 1 und des Zollkommissariats Lübeck-Süd. In diesem Bereich gab es damals mehrere Fluchtversuche aus der DDR, die teilweise erfolgreich verliefen. Die Bilder sind um das Jahr 1970 entstanden.


Das Ende eines DDR-Wachturms vor den Toren Lübecks

Ein Beobachtungsturm der DDR-Grenztruppen - ein sogenannter BT 11 - hat ausgedient und wird am 04.01.1990 bei Herrnburg umgerissen


Angehörige der DDR-Grenztruppen - Grenzaufklärer - und eine Streife des Bundesgrenzschutzes (BGS) an der innerdeutschen Grenze im Raum nördlich Lübeck-Eichholz bei "Schneiderswiesen". Im Gegensatz zu den Grenztruppen der DDR, die eine "Grenzsicherung" betrieben, überwachten BGS und Grenzzolldienst den ihnen zugeteilten Grenzbereich. Grenzschutz und Zoll sprachen sich bezüglich der Dienstverrichtung ab und sorgten dafür, dass immer mindestens eine Streife im Einsatz war. Bei Tag und bei Nacht. Ob auf dem Priwall, in Lübeck-Schlutup / Lübeck-Eichholz oder im Raum Groß Grönau: Zoll und Bundesgrenzschutz waren unterwegs und verrichteten auch unter schwierigsten Wetterbedingungen ihren Dienst.  


Unser "Webmaster" Manfred Krellenberg (das Bild zeigt ihn im Jahr 1984 an der innerdeutschen Grenze zwischen Lübeck und Herrnburg). Manfred Krellenberg ist erreichbar unter mkrelle@t-online.de

Zollbeamter fotografiert Grenzaufklärer

Zollbeamter Krellenberg fotografiert DDR-Grenzaufklärer an der Grenze bei Herrnburg

Sollten Sie sich fragen, warum der Zöllner keine Dienstmütze trägt, dann schauen Sie sich mal das nächste Bild an... Zollhund ARCO hatte sein "Herrchen" entlastet und diese Pflicht übernommen!

ZollhundZollhund ARCO

Auch Schäferhund ARIE begleitete den Zollbeamten Manfred Krellenberg auf vielen Grenzstreifen. Im Buch „An der innerdeutschen Grenze zwischen Lübeck und Herrnburg" schreibt  Krellenberg: „ ... Dieser Dienst an der Grenze war nicht „nur" mein Beruf – er  war „mein Leben" und ich habe mich von ganzem Herzen und voller Freude dieser „Arbeit" gewidmet.

Ohne Hund hätte ich diese Leistungen nicht vollbringen können. Das möchte ich an dieser Stelle zum Ausdruck bringen – und meinen vierbeinigen Begleitern D A N K E sagen! Dank für die Liebe und die mir erwiesene Treue, die ich auch heute noch ganz tief in mir fühle. Dank für den Schutz, den sie mir zuteilwerden ließen zu jeder Tages- und Nachtzeit. Dank für jede so herzliche Begrüßung, wenn ich zum Zwinger kam. Dank für jeden einzelnen „Wink", wenn es „Anzeigenswertes" zu vermelden gab.
Dank für jeden einzelnen Augenblick mit Euch! Wo immer Ihr jetzt seid, welches Kleid Ihr jetzt auch tragen mögt, ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass sich unsere Wege eines Tages wieder in Liebe kreuzen."

Zollhund ARIEZollhund ARIE

Obwohl längst Vergangenheit, so hat die „Grenze" den immer noch beim Zoll tätigen Manfred Krellenberg bis zum heutigen Tage nicht losgelassen. „Wenn meine Zeit es erlaubt, kehre ich gerne mal wieder in den ehemaligen Grenzraum zurück und schwelge in Erinnerungen. Dann gehe ich auch dort  spazieren, wo einstmals die Soldaten der DDR-Grenztruppen entlang patrouillierten. „Sperrzone" und „Schutzstreifen" gibt es glücklicherweise nicht mehr."  Auf einer der vielen Märsche, die er entlang der ehemaligen Grenze machte, entstand das folgende Bild. Es zeigt einen Teil des Kolonnenwegs und des einstigen Kontrollstreifens im Bereich der Palinger Heide.  Die Aufnahme wurde am 26.04.1993 gefertigt. Zwanzig Jahre später, am 07.07.2013, wurde hier die 29-jährige Anna-Lena U. während des Joggens überfallen und getötet.

1993

Zum Gedenken an Anna-Lena U.

Dort, wo Anna-Lena U. ihr noch so junges Leben verlor, steht dieser Stein. Aufnahme vom 25.09.2016


Oben: Wenn man das am 25.09.2016 aufgenommene Foto mit dem aus dem Jahr 1993 (siehe zwei Bilder zurück) vergleicht, so erkennt man, wie schnell die Natur ihren schönen Mantel über die "Geschichte" deckte. Entlang des ehemaligen Kontrollstreifens (weiter rechts) stehen heute viele Bäume und verdecken den Blick auf jenes Gebiet, das einstmals von allem Bewuchs freigehalten wurde.  

Ein paar Meter weiter nördlich in Richtung Herrnburg sind die Betonplatten des einstigen Kolonnenwegs noch sehr gut zu sehen. Einst fuhren die Fahrzeuge der DDR-Grenztruppen auf ihnen, nun findet hier bzw. im Raum der Palinger Heide mancher Spaziergänger Erholung. Doch aufgepasst: wer nicht Gefahr laufen möchte, auf eine Schlange zu treten, sollte seinen Blick gelegentlich vor die Füße richten. Auch Kreuzottern sind hier unterwegs und "tanken" Sonne. (siehe nachfolgende Aufnahmen vom 25.09.2016)

Kreuzotter auf dem ehemaligen Kolonnenweg

In der Palinger Heide gibt es auch Giftschlangen

Kreuzotter auf dem ehemaligen Kolonnenweg in der Palinger Heide

Kolonnenweg in der Palinger Heide

Der frühere Kolonnenweg der DDR-Grenztruppen unweit Herrnburg. Aufnahme vom 25.09.2016

Wir sagen DANKE für den Besuch unserer Homepage. Wir würden uns freuen, Sie in der Grenzdokumentations-Stätte  begrüßen zu dürfen. Schauen Sie doch mal bei uns vorbei - Lübeck ist immer eine Reise wert.  

Lübeck

Hansestadt Lübeck (Fotos: Manfred Krellenberg). Das obere Bild zeigt die Kraweel Lisa von Lübeck beim Hansetag 2014 in Lübeck, das Holstentor und den Dom zu Lübeck. Foto unten: Bereich Obertrave

LübeckLübeck 


Wichtige Hinweise:

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